Mittwoch, 9. März 2011

Ruf dort an!

Der Webshop der Firma Quick & Dirty lief nicht besonders gut. Eigentlich lief er überhaupt nicht. Das könnte z.B. daran gelegen haben, dass im Shop keine Preise angezeigt wurden und eine Bestellung schlicht unmöglich war.
Das war von den meinen beiden Chefs so gewollt. Um Kunde werden zu dürfen solle gefälligst anrufen um den Preis zu erfahren.
Nur war das der gesamten Welt einfach zu doof und so kauft der einfache Kunde eben lieber bei der Konkurrenz.

Natürlich gefiel das meinen Chefs gar nicht und so ordnete einer der beiden an, dass ALLE Mitarbeiter täglich mindestens 10 potentielle Kunden anrufen müssen.
Ich erwiderte, dass ich als Softwareentwickler angestellt bin und nicht als Telefon-Schmarrkopf. Und was ich überhaupt von Kaltakquise halte will sicherlich sowieso kein Mensch wissen.

Doch er bestand weiterhin darauf: JEDER ruft täglich 10 Firmen an.

Dass das den Arbeitsablauf eines Entwicklers leicht beeinträchtigt, wird sich sicher jeder denken können.
Ebenso ist es eine prima Motivation, während einer kreativen Phase jemanden anzurufen, sich von ihm eine Abfuhr abzuholen, was mir denn einfällt, "wegen so einem Scheiß" anzurufen und dass ich ihn bloß nicht mehr nerven soll und und und... Hach, so macht das Spaß ;-)

Mit dem verkäuferischen Talent eines Softwareentwicklers - gepaart damit, dass er keine Ahnung von den verkauften Waren hat - lässt sich bestimmt jeder Fachmann dazu bewegen, zukünftig nur noch bei Quick & Dirty zu kaufen.
Wenn man sich beim kleinsten Hauch einer Rückfrage seitens des potentiellen Kunden geschlagen geben muss, will dabei einfach kein gutes Gefühl entstehen. Weder auf der einen, noch auf der anderen Seite.

Der Kostenrechnung dieser Aktion mangelte es höchstwahrscheinlich auch an Existenz. Anders lässt sich zumindest nicht erklären, dass das Ganze wie beschrieben durchgeführt wurde.

Beispielrechnung:
10 Anrufe x 5 Minuten pro Anruf = 50 Minuten / Tag

Wenn man die Zeit mit einrechnet, dass man aus seiner Arbeit heraus und später wieder hinein muss, kann man das getrost auf 1 Stunde aufrunden.
Eine Stunde, in der eigentlich nichts gemacht wird. Denn das Ergebnis war: Nichts.

Das ganze sollte von 5 Mitarbeitern durchgeführt werden, was somit heißt, dass 5 Stunden eigentlich nichts effektives gearbeitet wurde.

Das Thema hat sich innerhalb von wenigen Wochen zum Glück von selbst erledigt.
Es hat irgendwann einfach niemand mehr gemacht.

Kommentare:

  1. Müssten das nicht 250 min/Tag sein? Ist mir schon klar, dass das 50min/Tag/Mitarbeiter sind, aber so klingt das etwas komisch ;)

    On Topic: Ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen, dass jemand mit solchen Vorstellungen an seine Arbeit als Chef geht. Bei König Autistiko scheint ja damals wenigstens noch schiere Fachkompetenz gepaart mit ererbter Größe der Firma dafür gesorgt zu haben, dass trotz der lächerlichen Betriebsführung es zum Überleben gereicht hat. Aber bei solchen Methoden - das kann doch nur koppheister gehen.

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  2. Hallo Quacki!

    Ja, du hast recht, das war ein wenig ungünstig formuliert ;-)
    Ich habe das mal ein wenig angepasst, das sollte jetzt besser sein.

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